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Europa zwischen Demokratie und Diktatur
Geschichte aus ihrer national verengten Sichtweise zu befreien, gehört zu den selbstverständlichen Aufgaben auf dem Weg in ein neues Europa, auch in der politischen und geschichtsdidaktischen Diskussion. Dieses Themenheft bietet Unterrichtsmaterialien, die die Zwischenkriegszeit aus europäischer Sicht beleuchten wollen. Seit der Jahrhundertwende ze... mehr
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Gunther Mai
Flucht in die Unfreiheit: Europa 1918-1939
Ein Kontinent zwischen Monarchie, Republik und Diktatur
11. November 1918: In Paris und London läuten die Siegesglocken; Deutschland hat den Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet. In Berlin beherrschen bewaffnete Arbeiter- und Soldatenräte das Straßenbild. Aus Moskau ruft die Sowjetregierung die deutschen Arbeiter auf, „mit der Waffe in der Hand“ die Macht zu übernehmen. In Wien weicht Kaiser Karl am Tag vor Ausrufung der Republik ins Exil, ohne auf den Thron zu verzichten. Der Krieg ist zu Ende, aber der Friede hat keineswegs begonnen. Vielmehr sind die folgenden 20 Jahre durch dauerhafte ökonomische und politische Krisen und Konflikte gekennzeichnet, aus denen es einen Ausweg für viele europäische Gesellschaften nur in die Unfreiheit zu geben scheint.
Ivona Djuric/Veronika Herz
Europas Weg in die Diktatur
Die Zwischenkriegszeit im Spiegel historisch-politischer Landkarten
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges änderte sich das territoriale Gesicht Europas grundlegend; alte Reiche brachen auseinander, neue Staaten entstanden. Doch dies bedeutete keine politische Ruhe, im Gegenteil, der Krieg legte das Fundament für die politischen Wirrungen im Europa der 20er und 30er Jahre bis hin zum Zweiten Weltkrieg. Dieser Beitrag - von zwei Schülerinnen des 13. Jahrgangs erarbeitet - macht sowohl die territorialen als auch die politischen Veränderungen deutlich.
Mathias Behn
„Make the world safe for democracy“
Völkerbund und Selbstbestimmungsrecht - der geplatzte Traum vom Weltfrieden
Die Friedensschlüsse von 1919/20 werden häufig einseitig und nicht selten larmoyant als Ursache für Hitlers Machtentfaltung und somit für Europas Einstieg in die schleichende Kriegskatastrophe präsentiert. Aus dieser national verengten Perspektive lässt sich freilich nicht erkennen, dass zur gleichen Zeit von US-Präsident Wilson ein umfassendes Modell eines liberalen Weltfriedens propagiert wurde, das bis heute aktuell ist. Zwei Säulen des Wilsonschen Gedankengebäudes - der Völkerbund und das Selbstbestimmungsrecht der Völker - verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Daniela Neri
Die Republik in der Krise
Deutschland und Frankreich: Parteiensysteme im Vergleich
Das Ende des Ersten Weltkrieges stellte sowohl Deutschland als auch Frankreich vor große politische Herausforderungen. Die Ausgangssituation für Besiegte und Sieger stellte sich sehr unterschiedlich dar. Trotzdem standen beide Länder nach 1918 vor ähnlichen Problemen: Inflation, Bedrohung des Mittelstandes, Modernisierungsprobleme in Landwirtschaft und Industrie sowie eine zunehmende Radikalisierung der politischen Kräfte. Wie haben die beiden Länder auf die Krisenerscheinungen reagiert?
Brigitte Neuhaus/Jan David Dreyer
Die Weltwirtschaftskrise
Der Börsenkrach in New York und die Große Depression
„Hier herrscht Panik, blanke Panik“. Die hektische Stimme des Nachrichtenreporters berichtet nicht etwa über ein Erdbeben oder einen erneuten Selbstmordanschlag in Israel, sondern kommt im Juli 2002 direkt aus der Frankfurter Börse. Der Vergleich mit dem 24. Oktober 1929 an der New Yorker Börse, der als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte eingehen sollte, drängt sich auf. Der New Yorker Börsenkrach gilt als Auslöser oder Auftakt der Großen Depression, einer weltweiten Wirtschaftskrise, von der sich die betroffenen Länder erst ab 1933 langsam wieder erholen sollten. Angesichts der anhaltenden Börsenschwäche und der schlechten Konjunkturprognosen erlangt das Thema eine besondere Aktualität im Geschichtsunterricht.
Petra Terhoeven
Der Marsch auf Rom
Mythos und Wirklichkeit eines simulierten Staatsstreichs
Der 28. Oktober 1922 gehört zu den Schlüsseldaten des 20. Jahrhunderts. Mit diesem Tag begann für Italien die Herrschaft des Faschismus, einer völlig neuartigen, ebenso antiliberalen wie antimarxistischen Regierungsform, die auch anderswo Schule machen und die Welt in den folgenden Jahrzehnten in Atem halten sollte. Gemessen an dieser historischen Tragweite verlief der „Marsch auf Rom“ ziemlich unspektakulär - ganz anders als es die neuen Machthaber glauben machen wollten. Die Forschung hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit der Bedeutung von Mythen und Symbolen zur Legitimierung politischer Macht beschäftigt. Im Geschichtsunterricht können ihre Erkenntnisse vermittelt werden, indem man die Schüler dazu anleitet, in der Propagandakunst autoritärer Herrschaftssysteme mythische Geschichtsbilder zu entdecken.
Christian Große Höötmann
„Ein Ozean von Leid und Tod?“
Der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939 und die europäische „Nichteinmischungspolitik“
Eines der im Kontext der europäischen Zwischenkriegszeit herausragenden Ereignisse ist der Spanische Bürgerkrieg. Allerdings gehört dieser Konflikt zu den im deutschen Gegenwartsgedächtnis unterschätzten und nahezu vergessenen Kriegen - nicht zuletzt auch, weil der unmittelbar folgende Zweite Weltkrieg eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Zeitgeschichte überlagert hat. Worum ging es in diesem Konflikt? War er ein Teil des „europäischen Bürgerkrieges“ (Nolte) oder doch eher ein - wenngleich ungewöhnlich brutal geführter - Regionalkonflikt? Und welche Rolle spielten die europäischen Großmächte?
Friedemann Neuhaus
Die europäische Zwischenkriegszeit im Unterricht
Die Forderung, Geschichte aus ihrer national verengten Sichtweise zu befreien, gehört mittlerweile zu den Selbstverständlichkeiten in der politischen und geschichtsdidaktischen Diskussion über die Inhalte des Geschichtsunterrichts. Materialien für einen vergleichenden Geschichtsunterricht aus europäischer Perspektive sind jedoch häufig Mangelware. So gibt es für die Zwischenkriegszeit zwar in den meisten neuen Geschichtsbüchern einzelne Kapitel zu den Entwicklungen in der Sowjetunion, den USA oder Italien, von einer gemeinsamen (europäischen) Fragestellung kann jedoch dabei kaum gesprochen werden.
Gerhard Seewann
Auf Spurensuche
Zwischen Revolution und Friedensdiktat
Die Revisionspolitik Ungarns 1918 bis 1939
18 Jahre lang wehte die Nationalfahne bis zum ersten Revisionserfolg Ende 1938 auf allen öffentlichen Gebäuden auf Halbmast. Die Revision des Friedensvertrags von Trianon wurde nicht nur zum Axiom der ungarischen Außenpolitik, sondern hat auch ganz entscheidend dazu beigetragen, die ungarische Gesellschaft und ihr politisches Denken zu verändern.
Klaus Fieberg
Praxis Aktuell
„Wider den undeutschen Geist“
Bücherverbrennungen im Mai 1933 in Deutschland
„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“ (Heinrich Heine, „Almansor“). Dieser Beitrag stellt anlässlich des 70. Jahrestages der Bücherverbrennungen in Deutschland einige Materialien nicht nur für den Geschichtsunterricht vor.
Wolfgang Hammer
Praxis Multimedial
„Erlösung durch Utopien“
Eine multimediale Anwendung für den Geschichtsunterricht
Mit vorliegender Ausgabe von Praxis Geschichte ist auf den Internetseiten der Zeitschrift (www.praxisgeschichte.de) unter „Praxis Multimedial“ ein Zusatzangebot zu finden: „Erlösung durch Utopien“. Dieses Projekt passt sich dem Thema des Heftes „Europa zwischen Demokratie und Diktatur" an. Es soll dies ein Versuch sein, Material für einen multimedialen Geschichtsunterricht im Internet zu konzipieren. Voraussetzung für den Unterricht mit dem Material ist, dass ein PC oder Notebook (mit Internetanschluss) für zwei oder drei Schüler zur Verfügung steht.