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Dekolonisation
Das Thema „Dekolonisation“ (bzw. Entkolonialisierung) ist in verschiedenen Lehrplänen der Klasse 10 verankert, kann aber generell in allen Bundesländern behandelt werden, häufig im Rahmen globaler Entwicklungen (u. a. Entstehung der Dritten Welt, Weltweite Konflikte im 20. Jahrhundert). Durch die Einbeziehung aktueller Entwicklungen und die Berücks... mehr
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Jürgen Osterhammel
„Die Auflösung der modernen Imperien“
Tendenzen und Interpretationen
Im Irakkrieg vom Frühjahr 2003 beseitigten die heute führende Weltmacht USA und die einstige Metropole des umfassendsten Kolonialreiches aller Zeiten, Großbritannien, gemeinsam ein diktatorisches Regime, das sich selbst als Verkörperung eines post-kolonialen Selbstständigkeitswillens dargestellt hatte. War dies ein Rückfall in eine längst vergangene Epoche des Kolonialismus oder korrigierte der „Westen“ mit gewaltsamen Mitteln die Fehlentwicklung eines Landes der „Dritten Welt“, das zu einer Gefahr für seine nähere und fernere Umgebung geworden war und sich als unfähig zu einer freiheitlichen inneren Entwicklung erwiesen hatte? Zwölf Jahre nach dem Zerfall des letzten großen Landimperiums, der Sowjetunion, gewann die Frage nach der Berechtigung des Eingriffs imperialer Führungsmächte in die Angelegenheiten schwacher und abhängiger Staaten eine unverhoffte Aktualität.
Dieter Gaedke
„Was auch immer geschieht...“
Die Teilung Indiens 1947 und Kaschmir-Konflikt
Seit der Erlangung ihrer Unabhängigkeit streiten sich Indien und Pakistan um den früheren Fürstenstaat Jammu und Kaschmir. Mehrere Kriege, der Terror indischer Sicherheitskräfte und die Aktionen moslemischer Rebellen kosteten zahlreichen Menschen das Leben. Da Indien und Pakistan seit 1998 über Atomwaffen verfügen, gehört die Kaschmir-Region zu den gefährlichsten Krisenherden der Welt.
Dieter Gaedke
„Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung“
Dekolonisation nach 1945
Das Thema Dekolonisation bzw. Entkolonialisierung gehört zu den Standardthemen des Geschichtsunterrichts. Es kann in allen Bundesländern behandelt werden, häufig im Rahmen globaler Entwicklungen („Entstehung der Dritten Welt“, „Weltgeschichtliche Konflikte und Entwicklungen im 20. Jahrhundert“). Allerdings
ist das Thema angesichts der Folgen der Globalisierung, der Auswirkungen des Zerfalls der Sowjetunion und der Konsequenzen des Terror-Anschlags vom 11. September 2001 didaktisch neu zu durchdringen.
Markus Bernhardt
„Die Schlacht von Dien Bien Phu“
Das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina (Vietnam) 1954
Am 8. Mai 1954 hätten die Franzosen „ihr Stalingrad" erlebt, erfahren wir aus dem Vorspann dieses französischen Spielfilms mit dem pathetisch-reißerischen Titel. Dabei wird auf die Kesselschlacht im Norden Vietnams angespielt, welche das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina besiegelte. Der unzutreffende Vergleich mit Stalingrad offenbart eine vielen Kriegsfilmen gemeinsame Tendenz, die in der Niederlage der Truppen einen tragischen Mythos erblickt: der bis zum letzten Atemzug tapfer kämpfende und widerspruchlos dienende Soldat, der durch unfähige politische und militärische Führer „verheizt“ wird.
Walther Fekl
„Une guerre sans fin?“
Der Algerienkrieg (1954 -1962) im bilingualen Unterricht der Gymnasialen Oberstufe
Der Algerienkrieg - Entkolonisierung und Trauma für Frankreich, dessen Nachwirkungen bis in den heutigen politischen Alltag hineinreichen. Immer wieder wird in Kategorien von früher gedacht: Christentum versus Islam, Zivilisation versus Barbarei. Durch binationale Perspektivierung wird den interkulturellen Lernzielen bilingualen Unterrichts Rechnung getragen.
Hartwig Böttcher-Kreft/Elisabeth Bredow
Nasser - der „Hitler vom Nil“?
Die Suezkrise 1956 und ihre Folgen
Am 26. Juli 1956 verkündet der ägyptische Staatspräsident Nasser die Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft und löst damit die „Suezkrise“ aus. Frankreich und Großbritannien versuchen mit Hilfe Israels ein Exempel zu statuieren. Am UNO-Sicherheitsrat vorbei und gegen den erklärten Willen der USA bereiten sie eine Invasion vor, die den „Hitler vom Nil“ (so die Daily Mail im Juli 1956) zur Räson bringen und den Herrschaftsanspruch der alten Kolonialmächte im Nahen und Mittleren Osten unterstreichen soll. Die Invasion endet für Großbritannien und Frankreich mit einer demütigenden politischen Niederlage. Nasser konnte aller Welt vor Augen führen, dass der Kolonialismus durch den Ost-Westkonflikt obsolet geworden war.
Ingo Langhans
Musterdemokratie Afrikas oder postkoloniales Chaos?
Ghana und Angola - Zwei Entwicklungslinien der Dekolonisation
Im Jahre 1957 erhielt die Goldküste als erstes schwarzafrikanisches Land die Unabhängigkeit von Großbritannien. Das neu gegründete Ghana erfreute sich einer weitgehend friedlichen Entwicklung. Als einer der letzten afrikanischen Staaten 1975 in die Unabhängigkeit entlassen, ist Angola dagegen bis in das neue Jahrtausend eine destabilisierende Kraft im südlichen Afrika.
Hans-Dieter Plümper
Pogrome, Vertreibungen, Krieg, Kampf ums Öl
Dekolonisation in Aserbaidschan
Das Beispiel Aserbaidschan ist in mehrfacher Hinsicht typisch und lehrreich für das Thema Dekolonisation im Gebiet der Sowjetunion: Grenzziehung ohne Rücksicht auf ethnische Unterschiede und deren Folgen, Ausbeutung und Umweltschäden, Altkader als neue Eliten, das Leiden der Zivilbevölkerung gehören zu den charakteristischen Merkmalen. Außerdem beginnt wieder das „Große Spiel“ um den Zugang zu den Energiequellen am Kaspischen Meer zwischen den USA, Russland, Iran, der Türkei und - vertreten durch die europäischen Ölfirmen - der Europäischen Union.
Ulrike Wasser
„Wir, die Völker...“ /
Die UNO als antikolonialistisches Weltforum
Als die UNO 1945 gegründet wurde, war die erste Phase der Dekolonisation bereits beendet. Die Länder Nord- und Südamerikas hatten ihre Unabhängigkeit erkämpft. Die zweite Phase, die Dekolonisation von Asien und Afrika, fiel zusammen mit der Gründung und Entwicklung der UNO zu einem Weltforum der Völker, das die Idee der Selbstbestimmung proklamierte. Demzufolge wurde die Dekolonisation ein wesentlicher Schwerpunkt in der Tätigkeit der Vereinten Nationen, die jedoch nicht mit der Erringung der staatlichen Souveränität enden konnte.
Hartmut Mahling
Geschichte vor Ort
Begegnungen mit Afrika
Möglichkeiten eines Schulprojektes: Luanda und Eberswalde
Nur eine Zeitkapsel auf dem Schulhof und ein neues Wandbild im Eingangsbereich deuten äußerlich auf ein bundesweit bisher einmaliges Ereignis hin. Ende August 2002 kamen Jugendliche aus Angola nach Eberswalde/Brandenburg. Sie kamen aus ihrem vom Bürgerkrieg gekennzeichneten Heimatland nicht als Flüchtlinge, sondern um Freunde zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen und Wissen und Erfahrungen für ihre Zukunft in Angola zu sammeln. - Die Geschichte einer wohl eher ungewöhnlichen Schulpartnerschaft, im Dezember 2001 überreichte Bundestagspräsident Thierse den Schülerinnen und Schülern den Demokratiepreis, wird fortgesetzt.