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INHALT

Ausgabe August
Heft 04/2007
Leider vergriffen!
Der absolute Monarch?
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn wir den Namen Ludwig XIV. hören, schwirrt in unseren Köpfen oft noch das Bild eines unumschränkt, gar despotisch regierenden Königs herum. Die Geschichtswissenschaft ist da schon weiter. Sie hat die "absolute" Herrschaft barocker Könige und Fürsten relativiert und klargestellt, dass diese - we... mehr
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Heinz Duchhardt
Der Sonne gleich?
Absolutismus und Absolutismusdiskussion
Ludwig XIV. (1638-1715) gilt als der Inbegriff eines absoluten Monarchen. Doch gerade im Fall seines Regimes mussten Historiker feststellen, dass "Absolutismus" mehr ein programmatischer Anspruch als eine tatsächlich durchgesetzte Herrschaftsform war. Der Begriff erscheint als Bezeichnung für die Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts aus geschichtswissenschaftlicher Sicht zunehmend fragwürdig. Eine solide Kenntnis der Forschungsdiskussion ist für das Verständnis der Problematik und ihren Transfer in den Unterricht deshalb unerlässlich.
Basisbeitrag und Materialien Sek II
Ralph Erbar
Barocke Herrschaft – von Station zu Station
Didaktisch-methodische Überlegungen
Bei einem Neubau wird zuerst das Fundament gelegt, dann werden anschließend die Säulen errichtet, auf die schließlich Giebel und Dach gesetzt werden. Im 17. Jahrhundert dagegen musste der König seine absolute Herrschaftsauffassung mittels geeigneter Instrumente erst nach unten durchsetzen. Das absolutistische Herrschaftsgebäude wurde
demnach von oben nach unten gebaut, doch blieb der König stets von Widerständen in den Provinzen
und auch seitens des Adels umgeben.
Anja Bernhardt
Gigantomanie im Sumpf
Der König und sein Hof in Versailles (Station 1)
"Eure Majestät wissen, dass außer den glänzenden Taten des Krieges nichts mehr die Größe und den Geist der Fürsten kennzeichnet als die Bauwerke und dass die Nachwelt Sie messen wird nach der Größe dieser herrlichen Gebäude, die Sie (…) errichtet haben." Dieser Ausspruch Colberts charakterisiert treffend das Unterfangen Ludwigs XIV., aus einem sumpfigen Waldgelände 18 km südwestlich von Paris eine königliche Residenz ins Werk setzen zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten in dieser Station, wie dieser prachtvolle offizielle Regierungssitz Frankreich und der Welt den Ruhm des Alleinherrschers verkünden sollte.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Volker Schult
Mode, Macht, Mätressen
Der König und sein Alltag (Station 2)
Der Alltag Ludwigs XIV. war bis in die persönlichsten Bereiche hinein öffentlich und ritualisiert. Diese Rituale hatten eine elementare Bedeutung für die Selbstinszenierung und Machtausübung des Monarchen. An dieser Station erarbeiten Schülerinnen und Schüler die politische und gesellschaftliche Funktion dreier Aspekte des Hoflebens: Des rituellen Aufstehens und Abendessens, des Mätressenwesens und der Mode.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Annette Puckhaber, Ulrich Look
Auspressen und strafen
Der König und seine Untertanen (Station 3)
Im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts legitimierten die Könige ihren Machtanspruch, indem sie das Leben der Untertanen zahlreichen Regeln unterwarfen. Selbst kleinste Vergehen wurden zum Teil mit drakonischen Strafen geahndet. Die Norm gebenden Maßnahmen verfehlten jedoch oft ihre Wirkung. Die Schülerinnen und Schüler erfahren in dieser Station, welchen tatsächlichen Einfluss die Sozialdisziplinierung auf die Bevölkerung hatte.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Tobias Schmuck
Kapital auf Kosten der Nachbarn
Der König und sein Geld (Station 4)
Der Name Ludwigs XIV. löst augenblickliche Assoziationen einerseits mit Kriegsführung, andererseits mit prachtvoller Hofhaltung und Mäzenatentum aus. Wenn allein diese drei Aspekte irgendwo eine Verbindung haben, dann darin, dass sie auf ein effizientes Finanzsystem angewiesen waren. Deshalb schwingt im politischen Handeln des "Sonnenkönigs" die Wirtschaftspolitik von Finanzminister Jean Colbert stets mit - Grund genug, dass die Schülerinnen und Schüler in dieser Station die Verbindungen näher beleuchten.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Walter Helfrich
Im Dschungel der Kompetenzen
Der König und seine Intendanten (Station 5)
Wie regierte Ludwig XIV. seinen Flächenstaat? Konnte er im 17. Jahrhundert eine uneingeschränkte und zentralistische Herrschaft etablieren? Es scheint auf den ersten Blick nicht einfach, eine recht trockene und höchst komplexe Materie wie die Staatsverwaltung Frankreichs im Ancien Régime heutigen Schülerinnen und Schülern nahe zu bringen. Doch die Sperrigkeit des Gegenstandes enthält didaktisch wertvolle Aspekte: Wenn das "Regieren in der Fläche" in den Blick rückt, können die Lernenden zum Forschen motiviert und zur kritischen Reflexion ihrer eigenen Lebenswirklichkeit angeregt werden.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Charlotte Bühl-Gramer
Sonne, Mond und Sterne
Der König und das Barock (Station 7)
Mit der Regierungsübernahme von Ludwig XIV. begann 1661 der gigantische Um- und Ausbau des kleinen Jagdschlosses Versailles. Bis 1710 abgeschlossen, wurde die Schlossanlage ein elementarer Bestandteil königlicher Machtpolitik. Sie ist Symbol seines Besitzers, Verlängerung seiner Selbstdarstellung und avancierte zum Prototyp des barocken Schlosses. Anhand wichtiger Gestaltungselemente erkennen die Schülerinnen und Schüler, wie die politische Propaganda Ludwigs XIV. in Versailles in ein ikonografisches Programm übersetzt wurde.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Stefanie Schneider
La Nouvelle France – ein Rohstofflager?
Der König und seine Kolonien (Station 6)
Die hohen Ausgaben Ludwigs XIV. machten ein Umdenken auch im Bereich der Kolonialverwaltung notwendig. Exemplarisch stellt dieser Beitrag die Entwicklung Neufrankreichs vor. Es wuchs unter dem Intendanten Jean Talon von einer Wildnis zu einer nach heimatlichem Vorbild entwickelten zentral verwalteten Kolonie. Schülerinnen und Schüler erklären und bewerten die Vorgänge mit Hilfe einer Kombination aus Karten, Textquellen und Statistiken.
(UE Sek I/Materialien Sek II)
Klaus Fieberg
GESCHICHTE VOR ORT
"Museum Bonn"
Das "Haus der Geschichte" mit seinen neuesten Angeboten
Die Stiftung "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" ist eine feste Größe in der Bonner Museumslandschaft. Mit der Eröffnung neuer Ausstellungen in ehemaligen oder sogar noch teilgenutzten Regierungs- und Parlamentsgebäuden trägt sie zu einer Historisierung der Hauptstadt der "alten" Bundesrepublik bei. Diese Lernorte zur Demokratiegeschichte bieten einen guten Zugang zur westdeutschen Nachkriegsgeschichte und fördern die historisch-politische Bildungsarbeit.
Walter Helfrich
AUF SPURENSUCHE: "Brûlez le Palatinat!"
Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697)
Noch heute zeugen sichtbare und "unsichtbare" Spuren in der Pfalz und den Gebieten an Ober- und Mittelrhein von den massiven Verwüstungen durch die Soldaten Ludwigs XIV. Die Motive für das brutale Vorgehen sind umstritten. Es führte zu einer langfristig negativen Prägung des Frankreichbildes in dieser Region. Eine Untersuchung kann im Rahmen einer regionalen Spurensuche für den Geschichtsunterricht lohnenswert sein.
Christoph Hamann
DAS KANONISCHE FOTO: Pieta 1967
Jürgen Henschels Fotografie des toten Benno Ohnesorg
Eigentlich müssten sie "die 67er" heißen, denn das Jahr 1967 war für die außerparlamentarische Opposition - nach Wolfgang Kraushaar - wichtiger als 1968. Entscheidend dafür, dass 1967 die studentische Protestbewegung von Berlin auf die Bundesrepublik übersprang, war der "Schock des 2. Juni", jener Tag, an dem in Berlin Benno Ohnesorg (1940-1967) erschossen wurde. Jürgen Henschels Fotografie des Getöteten war der visuelle Funke, der den Flächenbrand des bundesweiten Protests entfachte.