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Friedensbewegungen in Deutschland (1892-1945)
Die Ergebnisse der historischen Friedensforschung der letzten zwanzig Jahre haben nur am Rande Eingang in die Schulgeschichtsbücher gefunden, dieses Themenheft stellt deshalb eine wichtige Ergänzung zu den Lehrbüchern dar. Die Hauptanliegen einer Friedenserziehung sind die Vermeidung von Kriegen und die Ablehnung von Gewalt - vor dem Hintergrund za... mehr
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Karlheinz Lipp
Wenige Tauben unter vielen Adlern
Friedensbewegungen in Deutschland - von den Anfängen im Kaiserreich bis zur Zerschlagung duch den Nationalsozialismus.
Ute Kätzel
Es waren nur wenige, doch der Staat fühlte sich bedroht
Frauenfriedensbewegung von 1899 bis 1933
„Frauen Europas, wo bleibt Eure Stimme um Frieden zu säen?“ Diese im Jahre 1915 von Lida
Gustava Heymann gestellte Frage kann als treffende Beschreibung der Frauenfriedensbewegung von 1899 bis 1933
angesehen werden. Es waren nicht viele, die sich für den Frieden einsetzten. Dem Staat galten sie jedoch als Bedrohung der herrschenden Ordnung.
Ihre Namen finden sich mit Ausnahme Bertha von Suttners aber kaum in einem Geschichtsbuch.
Wer waren diese Frauen und welche Ziele verfolgten sie?
Ulrich Bröckling
Hervéisten und Tolstoianer
Radikaler Antimilitarismus am Vorabend des Ersten Weltkriegs
Liebknecht und Tolstoi vertraten verschiedene Formen des Antimilitarismus.
Christoph Jahr
"Ich habe den auf mir liegenden Zwang abgeschüttelt"
Deserteure im Ersten Weltkrieg
Millionen deutscher Soldaten kämpften im Ersten Weltkrieg, einige freiwillig, die meisten widerwillig. Manche entzogen sich dem sinnlosen Töten sogar
völlig, allen Strafandrohungen zum Trotz. Nach 1918 wurden die Erfahrungen der Soldaten, wie man dem Töten und Getötetwerden entgehen kann, aus der kollektiven Erinnerung getilgt, die Deserteure gar als Mitschuldige an der Kriegsniederlage Deutschlands diffamiert.
Damit wurde der Boden für die unmenschliche Verfolgung soldatischen Ungehorsams im
Zweiten Weltkrieg bereitet.
Otmar Jung
Friedensbewegung und Volksentscheid
Die Weimarer Pazifisten während der Kampagnen für "Fürstenenteignung" und "Panzerkreuzerverbot"
Die Volksbewegung zur „Fürstenenteignung“ 1925/26 und das Volksbegehren „Panzerkreuzerverbot“ 1928
sind populäre Fälle in der Geschichte der deutschen
Arbeiterbewegung und der Geschichte der direkten
Demokratie in Deutschland; in ihnen sah sich aber auch die deutsche Friedensbewegung herausgefordert. Wie war ihr Verhältnis zu sozialer Gerechtigkeit? Gab es die Möglichkeit eines Rüstungsstopps durch Volksentscheid?
Karl Holl
"Wie die Zeit lehrte, hatten wir leider recht"
Pazifisten und Pazifistinnen im Exil
Das mit dem Beginn der NS-Herrschaft einsetzende
Exil deutscher Pazifisten war eine Folge der Vernichtung des organisierten Pazifismus und der Verfolgung seiner Anhänger in Deutschland. Dieser Beitrag zeigt, wie sie die Zeit im Exil nutzten, um ihr Programm zu präzisieren, ohne dabei freilich ihr Credo der absoluten Gewaltlosigkeit aus den Augen
zu verlieren. Letzteres galt selbst für den Widerstand gegen aggressive Diktaturen.
Wolfram Wette
Ein neues Datum in der Geschichte der Menschheit
Der Briand–Kellogg–Pakt und die deutsche Sonderentwicklung in den zwanziger Jahren
Der Weltkrieg 1914–1918, das bis dahin größte Zerstörungswerk der Geschichte, mobilisierte nicht nur die Leidenschaften der Nationalisten und Militaristen, sondern auch die pazifistischen Gegenkräfte. Mit ihrem Bekenntnis „Nie wieder Krieg!“ zogen jetzt in Deutschland Millionen von
Menschen die Konsequenz aus dem vierjährigen Schrecken.
Dieter Riesenberger
Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik
Die katholische Friedensbewegung, organisiert im "Friedensbund Deutscher Katholiken", entstand als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg. Er hatte den Menschen bewusst gemacht, welch "ein physisches, moralisches und gesellschaftliches Übel der Krieg sei Sollte das unwidersprochen weitergehen? Die allermeisten Menschen widersprechen zwar, aber sie resignieren vor diesem Geschehen, weil sie meinen, Widerstand sei hier umsonst." (F. M. Stratmann)
Karlheinz Lipp
Protestantischer Friedenspfarrer im Kaiserreich und in der Weimarer Republik
Die enge Verbindung der evangelischen Landeskirchen mit der Obrigkeit seit dem 16. Jahrhundert erfuhr im 19. Jahrhundert noch eine Steigerung, da im Jahre 1871 der König des vorwiegend protestantischen Preußen zugleich Deutscher Kaiser wurde. Das Bündnis von Thron und Altar schuf die Voraussetzung für die evangelische Legitimation der Politik des kaiserlichen Deutschland. Schon 1870/71 wurden die theologischen Positionen der Predigten des Ersten Weltkrieges und darüber hinaus vorweggenommen. Nationalismus, Imperialismus und Militarismus wurden religiös begründet. Die lutherische Zwei-Reiche-Lehre und Römer 13 erwiesen sich bis weit ins 20. Jahrhundert als besonders wirksam. Gott wurde als Lenker des siegreichen Deutschland verstanden. Auf den Koppelschlössern vom Kaiserreich bis zum NS-Staat war das „Gott mit uns“ zu lesen.
Reiner Diederich
"Nie wieder Krieg"
Zur Geschichte des deutschen Friedensplakates
Das Plakat spielt für soziale Bewegungen eine große Rolle als Mittel zur Information. Aktivierung und Identifikation ihrer Anhänger und Sympathisanten, so auch für die Friedensbewegung seit ihren Anfängen um die Jahrhundertwende. Der folgende Beitrag zeigt, wie sich die Geschichte der deutschen Friedensbewegung vom Kaiserreich bis zum Dritten Reich in ihren im Unterschied zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht sehr zahlreichen Plakaten widerspiegelt.
Reinhold Lütgemeier-Davin
Reformieren oder beseitigen
Militärkritische Öffentlichkeit in Weimar
Der Handlungsrahmen der Weimarer Friedensbewegung war beschränkt. Dennoch: Ihre Analysen, ihre kritischen Enthüllungen waren spektakulär und argumentationsstark. Sie brachten die politische und militärische Führung vielfach in Legitimationszwänge.
Tommy Spree
Geschichte vor Ort
Ernst Friedrich und das Anti-Kriegs-Museum in Berlin
Das 1925 in Berlin-Mitte gegründete Anti-Kriegs-Museum ist untrennbar mit dem Schriftsteller und Pazifisten Ernst Friedrich verbunden. In seinem Museum zeigte Friedrich u. a. Fotos aus dem 1924 von ihm herausgegebenen Buch „Krieg dem Kriege“, die seinerzeit wohl weitverbreitetste Dokumentation über den Ersten Weltkrieg. Was ursprünglich als ein politisches Museum der Gegenwart geplant war, das sich konsequent dem Friedensgedanken verpflichtet fühlt, beherbergt heute eindrucksvolle und zum Nachdenken anregende Exponate aus zwei Weltkriegen.
Christl Wickert
Das hat Geschichte gemacht
Die Waffen nieder!
Leben und Wirken der Bertha von Suttner
Bertha von Suttner war die Wegbereiterin und führende Persönlichkeit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihr Antikriegsroman „Die Waffen nieder!“ avancierte
nach Erscheinen 1889 rasch zu einem Bestseller und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Zusammen mit anderen Pazifisten gab sie die entscheidenden Anstöße für die Gründungen der
österreichischen „Gesellschaft der Friedensfreunde“ (1891) und der „Deutschen Friedensgesellschaft“ (1892). 1905 wurde sie als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Wer war diese Frau? Wie verlebte sie ihre Jugend? Welche Gründe gab es für ihr späteres Schaffen als Pazifistin.