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INHALT

Mensch und Umwelt (in der Neuzeit)
Von Lebens- und Kulturräumen handelt diese Ausgabe. Und von Menschen, die sich in diesen Räumen bewegen, ihnen ausgeliefert sind, diese Räume verändern und damit letztlich sich auch selbst - samt dem was zählt.
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Joachim Radkau
Unbekannte Umwelt
Von der altklugen zur neugierigen Umweltgeschichte Braucht Umweltgeschichte ihre Mythen?„
"Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil
von uns. Die duftenden Blumen sind unsere
Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler –
sind unsere Brüder... Was ist der Mensch ohne
die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der
Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was
immer den Tieren geschieht – geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde... Die Erde ist unsere Mutter...
Die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch
gehört zur Erde – das wissen wir.“
Rolf Brütting
Ohne Holz kein Sud
Salinen als Problem der Umweltgeschichte
Im Chiem- und Rupertigau entstand während der frühen Neuzeit eine Montanzone, die vor allem auf dem Erz- und Salzabbau in Reichenhall und im
Salzkammergut basierte. Zwar lassen sich für dieses Gebiet auch schon Spuren eines
vorgeschichtlichen Bergbaus nachweisen, doch erst merkantilistisches Wirtschaftsdenken bewirkte Innovationen und intensivierte die Produktion
derart, daß zwischen Salzburg und dem Chiemsee tatsächlich von einer frühneuzeitlichen Industrieregion gesprochen werden kann.
Elke Osterloh-Gessat
Im Wald von Holländer-Michel und Kohlen-Munk-Peter
Der Handel mit dem Schwarzwaldholz
Wilhelm Hauffs (1802–1827) Märchen „Das kalte Herz“ gehört zu den meistgelesenen seiner Art. Sein lokaler Bezug und kritischer Gehalt gehen
über die Verzauberung durch die märchenhaften Gestalten hinaus und stimmen nachdenklich.
Schauplatz ist der Nordschwarzwald, wo sich im
18. Jahrhundert der Holzhandel mit Holland zur größten Blüte entfaltete und gravierende soziale
und landschaftliche Veränderungen nach sich zog. Hauff, in Stuttgart aufgewachsen und häufig im Schwarzwald zu Gast, beobachtete die Auswirkungen des beginnenden Kapitalismus
auf das menschliche Miteinander und formulierte sie in seiner Allegorie vom „kalten Herzen“.
Amrei Stupperich
"Meine Herren, ich vergesse, daß ich in Europa bin!"
Hamburg zur Zeit der Cholera–Epidemie 1892
Der weitgereiste Berliner Bakteriologe und Entdecker des Cholera–Erregers Robert Koch
war entsetzt, als er während der großen Cholera-Epidemie im Jahre 1892 die hafennahen
Elendsquartiere Hamburger Arbeiterfamilien besichtigte. So sind seine Worte oben bei einem Rundgang durch das Gängeviertel als ein vernichtendes Urteil für die führenden Kreise der Stadt zu verstehen, die die ersten Cholerafälle
vertuscht und ihre Ausbreitung über die Wasserleitung nicht verhindert hatten!
Manfred Vasold
"Es regnet alle Tage"
Der Vulkan, das Wetter und die Menschen
„Die letzte große Ernährungskrise in der westlichen Welt“ sind die Hungerjahre 1816/17 genannt worden. Sicher, Kummer war man ohnehin
gewöhnt: Etwa alle vier Jahre, so wird geschätzt, kam es im vorindustriellen Europa zu Mißernten und den in der Folge unvermeidlichen Teuerungen.
Der Erntezyklus war ein Spielball launischer Witterungen. Als volkswirtschaftlicher Leitsektor
aber mußte die Landwirtschaft derartige klimatischen Unbilden direkt in das ökonomische
und demographische Gefüge der Gesellschaft ableiten. Ein lavaspeiender Südseevulkan konnte die Dinge da nur noch verschlimmern.
Winfried Schenk
Landschaften vom Reißbrett
Agrarlandschaftswandel - Ökonomische Hintergründe und kulturräumliche Folgen
Die agrarisch geprägten Landschaften Deutschlands haben in den letzten beiden Jahrhunderten radikal ihr Aussehen verändert.
Die Ursachen dafür liegen in den allgemeinen Wandlungen der Wirtschaft begründet. Dieser
Zusammenhang soll hier verdeutlicht werden, indem zuerst die grundlegenden Faktoren der
agrarischen Produktion über diesen Zeitraum in ihren Entwicklungen verfolgt und dann die agrarlandschaftlichen Folgen dieser Prozesse in drei Zeitschnitten betrachtet werden.
Dietmar Klenke
Vom Wunschtraum zur Umweltplage
Massenmotorisierung in Deutschland nach 1945
In den ersten Nachkriegsjahren wurden Massenmotorisierung und Straßenbau zum Inbegriff von wirtschaftlichem Fortschritt, Freiheit und Wohlstand. Wegen der schlechten Straßen erklärte die Kraftfahrt-Lobby den Staat zum Sündenbock für die teils katastrophalen Verkehrsverhältnisse. Seit den frühren siebziger Jahren verblaßte der Glaube an das Allheilmittel Straßenbau. Seither traf die umweltpolitische Kritik am Auto zunehmend auf Resonanz, am stärksten nach den beunruhigenden Waldschadensbefunden der frühen achtziger Jahre.
Andreas Weißmann
Didaktische Überlegungen
Von Menschen und Räumen
Integrative Umweltgeschichte im Unterricht
Von Räumen handelt diese PRAXIS GESCHICHTE-Ausgabe. Und von Menschen, die sichin diesen Räumen bewegen, ihnen ausgeliefert sind, diese
Räume verändern und damit letztlich auch sich selbst, samt dem was zählt.
Winfried Schenk
Der Blick auf die Landschaft
Die Geschichte unserer Umwelt im Spiegel von Landschaftsgemälden
Landschaftsgemälde sind „dem poetischen Geist des Malers entsprungen“ (Goethe). Sie enthalten
dennoch konkrete Wirklichkeit im Detail, wie uns die Kunstgeschichte in vielen Veröffentlichungen
nachweist. Kunstgeschichtliche Quellenkritik
im Verbund mit Methoden der historischen Umweltforschung erlauben die Rekonstruktion vergangener Landschaftszustände.
Gisela Grupe
Auf Spurensuche
Spurenelemente schreiben Geschichte
Mensch und Umwelt im Spiegel der Anthropologie
Auf Spurensuche im wahren Sinne des Wortes befinden sich Anthropologen, wenn sie aus den körperlichen Relikten von Menschen früherer Zeiten die Alltagsgeschichte erschließen wollen. Wie hat man früher gelebt, wie hat die Umwelt die
menschlichen Bevölkerungen beeinflußt? Und: Wie hat man sich andererseits die Umwelt zu eigen gemacht? Skelettfunde sind Urkunden aus der Geschichte. Knochen und Zähne sind spezielle Gewebe, und so liegen gewissermaßen „Gewebebanken“ aus der Vorgeschichte bis in die Neuzeit vor, in denen die Lebensweise der Menschen Spuren hinterlassen
hat. Diese gilt es, mit modernen naturwissenschaftlichen
Methoden (Archäometrie) aufzufinden und zu entziffern.
Herbert Mehrtens
Das hat Geschichte gemacht
"Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand!"
Von Katastrophen und Katastrophenmythen
„Tand, Tand, ...“ So rufen die drei Hexen in Theodor
Fontanes Ballade „Die Brück’ am Tay“. „Und der Zug, der in die Brücke tritt / um die siebente Stund? / Ei, der muß mit.“ Manche Katastrophen
bleiben im Gedächtnis haften, weil sie zu Mythen werden. Der Einsturz der Brücke am Tay ist ein durch das Gedicht literarisch vermittelter Mythos
geblieben. Der Untergang der Titanic ist Alltagsmythos und Literaturstoff gleichermaßen.
Mit der technischen Umwelt sind neue Gefährdungen
in das Leben der Menschen gekommen. Solche Mythisierungen gehören zur kulturellen Verarbeitung von Gefahren und Gefährdungen, die durch die Technisierung der Welt in das Leben der Menschen gekommen sind.
Anne Whiston Spirn
Geschichte vor Ort
Deep Structure
Über Entwicklung, Form und Gestaltung in der Stadtlandschaft
Als Folge natürlicher Prozesse und sich verändernder menschlicher Ansprüche entwickeln sich Landschaften im Laufe der Zeit ununterbrochen weiter. Dieser Oberfläche liegt
allerdings eine dauerhaftere „Tiefenstruktur“ zugrunde. Diese „Deep Structure“ prägt – sowohl physisch als auch zeitlich – den größeren Zusammenhang, in dem sich eine Landschaftsform und somit die Grundlage für das menschliche
Leben und Handeln entwickelt.