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Museumstipp März 2010

Weimar


Klassisches Weimar


Historisches und kulturelles Erbe von internationalem Rang


Von Amrei Stupperich

Abb. 1: Das Residenzschloss der Weimarer Herzöge wurde in seiner heutigen Gestalt um 1774 erbaut, während der Schlossturm noch aus dem Mittelalter stammt. Sehenswert sind besonders die klassizistischen Prunkräume und das Gentzsche Treppenhaus, architektonische Zeugnisse, an deren Planungen Goethe maßgeblich beteiligt war. Das Schlossmuseum zeigt eine berühmte Kollektion europäischer Kunst vom Mittelalter über die Reformationszeit (Cranach-Galerie) bis ins 20. Jahrhundert.
(Alle Abbildungen © Klassik Stiftung Weimar)



Im Jahr 1998 wurde das Ensemble "Klassisches Weimar" in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Stadt gilt als Musterbeispiel einer mitteleuropäischen Residenz um 1800, in der die bürgerliche Aufklärung die höfische und bürgerliche Kultur wesentlich beeinflusste. Weimar erhielt die Auszeichnung aufgrund der "großen kunsthistorischen Bedeutung öffentlicher und privater Gebäude und Parklandschaften aus der Blütezeit des klassischen Weimar" und der "herausragenden Rolle Weimars als Geisteszentrum im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert", heißt es in der Begründung der UNESCO. Hier entstanden literarische Werke, die geprägt waren von Weltoffenheit, universellem Bildungsanspruch und humanistischem Streben, hinter denen Namen wie Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller standen.


Abb. 2: Goethes Wohnhaus mit Hausgarten (Goethe-Nationalmuseum): In dem barocken Bürgerhaus am Frauenplan wohnte Goethe fast 50 Jahre lang bis zu seinem Tod 1832. Seit 1886 wird das Haus als Gedächtnisort erhalten mit teils unveränderter Ausstattung der persönlichen Räume des Dichters. Heute sind die öffentlichen und privaten Wohnräume zur Besichtigung freigegeben. Auch dem Lebensumfeld seiner Frau Christiane sind drei Räume gewidmet. Goethes Hausgarten diente nicht zuletzt seinen botanischen Versuchen.


Heute werden die außerordentlich umfangreichen dinglichen Zeugnisse des klassischen Weimar im Goethe- und Schiller-Archiv und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, beide Forschungszentren für europäische Kultur- und Literaturgeschichte um 1800, aufbewahrt, auf vielfältige Weise erschlossen und zugänglich gemacht. Zum Welterbe "Klassisches Weimar" gehören außerdem Goethes Wohnhaus am Frauenplan mit Goethes Sammlungen, Schillers Wohnhaus, die Herderstätten (Stadtkirche, Herderhaus und Altes Gymnasium), das Stadtschloss mit den klassizistischen Prunkräumen, das barocke Wittumspalais, das der Herzogin Anna Amalia als Stadtwohnung diente, der Park an der Ilm im Stil des klassischen Landschaftsgartens (mit klassizistischem Römischen Haus, Goethes Garten und Gartenhaus), der Schlosspark Belvedere mit Schloss und Orangerie bei Weimar, Schloss und Schlosspark Ettersburg bei Weimar, Schloss und Schlosspark Tiefurt, ein beliebter Sommersitz Anna Amalias und Schauplatz literarischer Geselligkeit, und die Fürstengruft mit dem Historischen Friedhof.

Abb. 3: Schillers Wohnhaus: Das spätbarocke Haus aus dem Jahr 1777 hat Schiller mit seiner Familie von 1802 bis zu seinem Tod 1805 bewohnt. Schon 1847 wurde es die erste Weimarer Dichter-Gedenkstätte, in der heute Küche und Dienerzimmer im Erdgeschoss, Familienwohnräume in der ersten Etage sowie Arbeits-, Empfangs- und Gesellschaftszimmer in der Mansarde, teils mit originalem Inventar, zu besichtigen sind. Eine Dauerausstellung umfasst Schillers Wirkungsstätten in Weimar, Jena und Rudolstadt.


In enger räumlicher Nachbarschaft und in die Programmatik der Klassik Stiftung Weimar eingebunden befinden sich weitere herausragende Gedenkorte. Dazu zählt die 1990 neu konzipierte KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf dem Ettersberg. Hier waren in der NS-Zeit Zwangsarbeiter aus der Rüstungswirtschaft und einem Steinbruch untergebracht. Tausende von ihnen überlebten die Zwangsarbeit nicht. Zu den wichtigen Museen gehört außerdem das Bauhaus-Museum, das 1995 in einer ehemaligen Remise gegenüber dem Deutschen Nationaltheater eröffnet wurde und sich der Gründungsphase des Bauhauses in Weimar 1919-1925 widmet.

An den Wirkungsstätten Wielands, Goethes, Schillers und Herders bietet die Klassik Stiftung Weimar ein differenziertes Angebot von Veranstaltungen, Kursen und Seminaren, insbesondere für Wissenschaftler, Lehrer, Studenten und Schüler an. Damit soll eine umfassende ästhetische Bildung gefördert werden. Diesem hohen Anspruch versucht die Museumspädagogik mit ganzheitlichen Bildungsangeboten gerecht zu werden. Dabei wird die widersprüchliche Rezeption der Weimarer Klassik in der Kultur- und politischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts für hier und heute reflektiert. Ein Glücksfall für diese Arbeit ist die stiftungseigene Bildungs- und Forschungsstätte im Wielandgut Oßmannstedt bei Weimar, wo mehrtägige Kurse und Seminare stattfinden können.


Abb. 4: Das mehrere Kursbausteine umfassende Cicerone-Projekt - hier eine Szene aus der Präsentationsphase, 2008 - ist eines der zahlreichen anspruchsvollen Angebote für Schülerinnen und Schüler und stellt nach Einschätzung der Veranstalter in der deutschen Bildungslandschaft eine einzigartige Unternehmung dar.

Herauszuheben ist das einwöchige Cicerone-Projekt für die Klassenstufen 8 bis 10 aller Schularten, das verschiedene Aspekte des Lebens einer Herzogin durch Führungen, eigenständige Forschung sowie theater- und kunstpädagogische Übungen vermitteln soll, um sie dann selbst lebendig weitergeben zu können. Die erste Projektstufe kann durch weitere praxisorientierte Vertiefungskurse und ein Studium Generale des klassischen Cicerone Programms fortgeführt werden. Das Projekt zur historisch-politischen Bildung "snapshot", bei dem mit der "Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora" kooperiert wird, soll die Geschichte der Weimarer Klassik und Buchenwalds durchgehend mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen verbinden. Roter Faden dieser Auseinandersetzung soll jeweils die Reflexion der Menschenbilder sein. Zielgruppen des durch vielfältige künstlerisch-praktische Methoden ergänzten Konzepts sind besonders internationale Gruppen sowie Klassen aller Schularten.


Adresse für den gesamten Kosmos Weimar
Parks, Schlösser, Bibliothek, Dichterhäuser und Museen

Klassik Stiftung Weimar
Burgplatz 4
99423 Weimar
Tel. 03643 | 545-400
Fax 03643 | 41 98 16

E-Mail: info@klassik-stiftung.de
Internet: www.klassik-stiftung.de

Informationsstände
Tourist-Information Weimar
Markt 10
und
Welcome-Center
Friedensstraße 1
99423 Weimar
Tel. 03643 | 545-400
Fax 03643 | 545-409

E-Mail: tourist-info@weimar.de

Öffnungszeiten
Markt 10:
April bis Oktober
Mo-Sa: 9.30 bis 19 Uhr
So und Feiertage: 9.30 bis 15 Uhr
November bis März
Mo-Fr: 9.30-18 Uhr
Sa, So und Feiertage: 9.30-14 Uhr

Welcome-Center:
ganzjährig Mo-Sa 10 bis 18 Uhr

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten der einzelnen Sehenswürdigkeiten finden sich unter: www.klassik-stiftung.de/oeffnungszeiten.html

Angebote

Aus denkmalpflegerischen Gründen ist der Besuch einzelner Museen limitiert, deshalb sollten sich Gruppen unbedingt langfristig vorher schriftlich anmelden.
Für Gruppen aller Altersstufen können individuell geplante thematische Führungen, Museumsgespräche, Seminare und Vorträge vereinbart werden. Besondere Angebote wie mehrtägige Projektwochen für Schulklassen und Leistungskurse finden sich auf der Seite "Bildungsangebote".

Seit 2009 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung "Weimarpedia: Klassen erforschen die Klassik", ein Planspiel im Rahmen eines web 2.0 Projekts, durch welches sich Schülerinnen und Schüler die Welterbestätten der Weimarer Klassik weitgehend selbstständig erschließen sollen (http://weimarpedia.de/blog/weimarpedia-junior).
Für besonders interessierte Gruppen stehen weitere Bildungsprojekte, die fachlich weit gefächert auch politische Bildung und internationale Jugendarbeit einschließen, bereit (www.klassik-stiftung.de/bildung/bildungsprojekte.html).

Die Lehrermaterialien reichen von der Arbeit mit dem Goethe- und Schillerarchiv über Texte zum Stadtschloss, das Lisztmuseum und die Anna Amalia-Bibliothek bis zur Erschließung weiterer Themengebiete bzw. Epochen wie Buchenwald, Bauhaus und Jugend in der DDR anhand von Stadtrallyes (je zweistündig mit Kartensätzen).

Lehrerfortbildungen werden individuell zusammengestellt. Voranmeldung zur Gestaltung des Programms beim Bildungsreferenten:
Burgplatz 4
99423 Weimar
Tel. 03643 | 545 562
Fax 03643 | 545 569

Medientipps:

Ereignis Weimar-Jena. Gesellschaft und Kultur um 1800 im internationalen Kontext. Hrsgg. von Lothar Ehrlich und Georg Schmidt. Köln 2008

Schultheiss, Michael, und Julia Roßberg (Hrsg.): Weimar und die Republik. Geburtsstunde eines demokratischen Deutschlands. Weimar 2009

Europa in Weimar - Visionen eines Kontinents. Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar. Hrsgg. von Hellmut Th. Seemann. Göttingen 2008

Schatzhaus der deutschen Literatur. Das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Hrsgg. von der Klassik Stiftung Weimar. Weimar 2009

Bildung als Erlebnis. Das Cicerone-Projekt der Klassik Stiftung Weimar. Weimar 2009

Bildungsreisen. Programme, Führungen, Vorträge. (Hrsgg. von der Klassik Stiftung Weimar. Weimar.) Weimar 2009

"Ich wollte hier einfach mal raus". Interkultureller Dialog - gestern und heute. Erfahrungen - Perspektiven - Reflexionen. Hrsgg. vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar. (Weimar) 2008 (= Materialien des ThILLM; 140).

"Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit". Bauhaus macht Schule. Hrsgg. vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar. (Weimar) 2009


Ergänzende Links

www.unesco.de/313.html?&L=0:
Die Seite der deutschen UNESCO-Kommission stellt das Welterbe Weimarer Klassik (s. 1998) als "einzigartiges Zeugnis einer vergangenen, doch nachwirkenden Kulturepoche" vor und informiert u.a. über die "Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" (2007) und andere Aktivitäten der UNESCO.

www.weimar.de:
Die umfangreichen Informationen der Stadt Weimar geben einen Überblick über alle touristischen Möglichkeiten, die Stadt und Umgebung bieten.

www.buchenwald.de:
Die Klassik Stiftung Weimar kooperiert im Rahmen eines Projekts zur historisch-politischen Bildung eng mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.